Nachhaltigkeitsbericht 2013

Produktsicherheit

Auf dieses von Henkel entwickelte Vollhautmodell können Substanzen aufgetragen und so deren Wirkung auf das Hautgewebe systematisch bewertet werden.
Bild Versuchsaufbau

Sicherheit als oberste Priorität

Unsere Kunden und Verbraucher können sich darauf verlassen, dass unsere Produkte bei sachgerechter Anwendung sicher sind. Alle Rohstoffe sowie fertigen Produkte durchlaufen zahlreiche Prüfungen und Bewertungen, um bei Herstellung, Anwendung und Entsorgung ein hohes Maß an Sicherheit zu bieten. Die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften und darüber hinausgehender Henkel-Standards sind die Basis dafür.

Unsere Produktentwickler und Experten für Produktsicherheit bewerten die Inhaltsstoffe nach aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen und konkreten Sicherheitsdaten. Sie beobachten die Produkte von Henkel kontinuierlich im Markt und lassen die gesammelten Erfahrungen in die Bewertungen einfließen. Dabei sind für uns neben dem grundsätzlichen Gefährdungspotenzial eines Stoffs vor allem seine tatsächliche Konzentration in der jeweiligen Rezeptur sowie die Anwendungsbedingungen in der Sicherheitsbewertung von Bedeutung.

In der Öffentlichkeit kommt es immer wieder zu kontroversen Diskussionen über die Sicherheit chemischer Inhaltsstoffe in Produkten. Diese sind für uns Anlass, die wissenschaftlichen Grundlagen unserer Bewertungen kritisch zu prüfen. Der Einsatz von Stoffen mit bestimmten gefährlichen Eigenschaften ist für manche Anwendungen von vornherein ausgeschlossen. In anderen Fällen arbeiten wir daran, die gesundheitliche Verträglichkeit durch die Entwicklung von alternativen Inhaltsstoffen weiter zu verbessern.

Umsetzung im Unternehmen

Die Einhaltung der konzernweit gültigen Vorgaben und Abläufe zur Produktsicherheit wird in regelmäßigen Audits überprüft. Die Unternehmensbereiche verantworten die Umsetzung der Produktsicherheit.

Grafik Umsetzung im Unternehmen

Gefährdungen identifizieren – Risiken bewerten

Zur Bewertung der Sicherheit von Produkten untersuchen unsere Experten in einem ersten Schritt, ob die Inhaltsstoffe des Produktes eine mögliche Gefährdung für Menschen und Umwelt darstellen. In einem zweiten Schritt klären sie, in welchem Umfang Mensch oder Umwelt diesem Stoff ausgesetzt sind: Die sogenannte Exposition wird analysiert. Diese Analyse ist wichtig, da in den meisten Fällen eine schädliche Wirkung erst ab einer bestimmten Menge und Konzentration eines fraglichen Stoffs auftritt. Die Ergebnisse beider Bewertungsschritte werden dann zu einer Gesamtbewertung zusammengeführt. Nur diese erlaubt unseren Experten die verlässliche Aussage, ob ein Produkt im Rahmen seiner Anwendung sicher ist. Ein einfaches Beispiel: Essigsäure stellt eine mögliche Gefährdung dar, da sie in konzentrierter Form wegen ätzender Eigenschaften zu schweren Schäden führen kann. Wird sie allerdings verdünnt mit unserer Nahrung aufgenommen, besteht kein Risiko.

Graph risks

Bewertung der eingesetzten Stoffe

Für Stoffe mit bestimmten gefährlichen Eigenschaften haben wir festgelegt, dass ihr Einsatz für manche Anwendungen von vorneherein ausgeschlossen ist. Für andere Stoffe haben wir strikte unternehmensinterne Auflagen und Beschränkungen vorgesehen und gehen damit häufig über die gesetzlichen Vorgaben hinaus. In anderen Fällen arbeiten wir daran, die gesundheitliche Verträglichkeit durch die Entwicklung von alternativen Inhaltsstoffen weiter zu verbessern – zum Beispiel durch den Wechsel von lösemittel- zu wasserbasierten Rezepturen in unseren Konsumenten- und Kontaktklebstoffen.

Bewertung der Produkte

Nach Abschluss der Bewertung der einzelnen Inhaltsstoffe unterziehen unsere Experten die Gesamtrezeptur eines Produkts einer weiteren Sicherheitsbewertung. Hier werden die Eigenschaften der Einzelbestandteile, ihre Konzentration im Produkt und dessen Anwendungsbedingungen beurteilt. Produkte, die für die Anwendung am Menschen bestimmt sind, prüfen wir zusätzlich dermatologisch. Die Ergebnisse dieser Bewertungen und Prüfungen bilden dann die Basis bei der Festlegung der erforderlichen Vorsorge- und Schutzmaßnahmen für eine sichere Anwendung des Produkts. Sie werden gezielt darauf abgestimmt, ob es sich um ein Konsumentenprodukt oder um ein von Fachkräften eingesetztes Industrieprodukt handelt, und können von der Gestaltung der Verpackung über detaillierte Anwendungs- und Warnhinweise bis zu Verwendungsbeschränkungen reichen.

Kontinuierliche Beobachtung

Ein weiteres wichtiges Element der Produktsicherheit ist für uns die kontinuierliche Beobachtung unserer Produkte im Markt. Die dabei gesammelten Erfahrungen lassen unsere Produktentwickler und Experten für Produktsicherheit in ihre Bewertungen einfließen.

Kontrovers diskutierte Inhaltsstoffe

Bei der Auswahl und dem Einsatz von Inhaltsstoffen verfolgen wir auch kontroverse Diskussionen in der Öffentlichkeit über die Sicherheit chemischer Inhaltsstoffe in Produkten. Dabei werden die von den Stoffen ausgehenden Risiken von Wissenschaft und Öffentlichkeit häufig unterschiedlich beurteilt. Die Ursachen sind vielfältig. Besonders oft wird von der potenziellen Gefährdung, die von einem Stoff für Menschen oder Umwelt ausgehen kann, direkt auf ein Risiko geschlossen, ohne dass die sogenannte Exposition Berücksichtigung findet, das heißt, in welchem Umfang Mensch oder Umwelt dem Stoff tatsächlich ausgesetzt sind. Wir halten diese Differenzierung zwischen Gefahr und Risiko für notwendig und wesentlich, damit eine realitätsnahe Sicherheitsbewertung von Inhaltsstoffen erfolgen kann. Aus diesem Grund lehnt Henkel generelle Stofflisten ab, mit denen der Verzicht auf kontrovers diskutierte Inhaltsstoffe gefordert wird, da bei diesen eine solche Differenzierung oft nicht stattfindet.

Generell und unabhängig von unserem Ansatz einer differenzierenden Betrachtungsweise nehmen wir Diskussionen über Inhaltsstoffe zum Anlass, die wissenschaftlichen Grundlagen unserer Bewertungen kritisch zu überprüfen. Bei erheblichen Bedenken zur weiteren Tragfähigkeit der wissenschaftlichen Daten und Erkenntnisse für die Produktsicherheit verwenden wir einen Stoff nicht mehr oder beschränken seinen Einsatz so, dass er unsere strengen Sicherheitsprüfungen besteht.

Gut beraten

Falls es trotz entsprechend gestalteter Verpackung und detaillierter Anwendungshinweise zu Rückfragen oder auch einmal Fehlanwendungen kommen sollte, steht Henkel seinen Kunden und Verbrauchern mit seinen Beratungsdiensten zur Verfügung.

Innovation und Alternativmethoden

Henkel forscht seit den 1980er Jahren erfolgreich an der Entwicklung neuer Methoden, um Rohstoffe und Produkte in Bezug auf ihre Sicherheit und Verträglichkeit experimentell zu bewerten. Mit modernsten molekularbiologischen Verfahren wird zum Beispiel die Wirkung von Rohstoffen auf menschliche Hautzellen im Detail untersucht, um so optimierte Formulierungen zu erstellen – eine Grundvoraussetzung erfolgreicher Produktinnovationen.

Von zentraler Bedeutung ist für uns das Ziel, Fragen zur Sicherheit unserer Produkte und der eingesetzten Inhaltsstoffe ausschließlich ohne Tierversuch beantworten zu können. Ein Tierversuch wird bei Henkel grundsätzlich nur dann eingesetzt, wenn rechtliche Bestimmungen dies vorgeben und keine anerkannten alternativen Prüfmethoden existieren, welche die entsprechenden Sicherheitsdaten liefern. Umgekehrt halten wir uns selbstverständlich an gesetzliche Vorgaben, die einen Tierversuch nicht zulassen, so zum Beispiel zur kosmetikrechtlichen Absicherung von Kosmetikinhaltsstoffen in der Europäischen Union.

Die Fragen zur Hautverträglichkeit von Inhaltsstoffen werden inzwischen – wo immer dies möglich ist – auch mithilfe von In-vitro-Tests untersucht. In-vitro-Tests wie das Hautmodell (fachsprachlich: Epidermismodell) wurden in den vergangenen Jahrzehnten in Zusammenarbeit mit externen Partnern von Henkel entwickelt und als Ersatzmethode für Tierversuche zur Anerkennung dem „Europäischen Referenzlabor für die Validierung Alternativer Methoden“ (EURL ECVAM) vorgeschlagen. Die behördliche Anerkennung ist eine entscheidende Voraussetzung für die weltweite Verwendung der Methode, die Henkel nicht nur für sich nutzen, sondern auch für andere zugänglich machen will.

Henkel plant, die Ergebnisse der Forschungsarbeiten als sogenanntes Open-Source-Modell frei zugänglich zu machen und das Verfahren über Fachzeitschriften beispielsweise Biologen und Labortechnikern kostenlos zur Verfügung zu stellen. Mit dieser Entscheidung macht Henkel einen wichtigen Schritt auf dem Weg zur weltweiten Verwendung von Alternativmethoden. Wissenschaftler bei Henkel arbeiten derzeit mit Fraunhofer-Forschern daran, dass die 1-Cent-Stück-großen Hautmodelle nicht nur einzeln im Labor hergestellt werden können, sondern zukünftig maschinell – und damit effizienter – in einer großen Stückzahl.