Nachhaltigkeitsbericht 2013

Einkauf und Lieferanten-management

Henkel ist einer der Unterzeichner des industrieübergreifenden Verhaltenskodex des Bundesverbands Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik in Deutschland.
www.bme.de
bme

Verantwortung entlang der Beschaffungskette

Von unseren Lieferanten und Vertragspartnern erwarten wir, dass ihr Verhalten stets unserem Anspruch an nachhaltiges Handeln entspricht. Bei der Auswahl und Entwicklung unserer Lieferanten und Vertragspartner berücksichtigen wir auch deren Leistung in Bezug auf nachhaltiges Wirtschaften. Grundlage hierfür sind unsere konzernweit gültigen Einkaufsstandards sowie die erstmals 1997 definierten Standards für Sicherheit, Gesundheit und Umwelt. Mit ihnen haben wir uns schon früh zu unserer Verantwortung entlang der gesamten Wertschöpfungskette bekannt.

Carsten Knobel

„Unsere Lieferanten sind wichtige Partner, um die Effizienz der Prozesse und das Nach-
haltigkeitsprofil unserer Produkte zu verbessern.“


Carsten Knobel
Mitglied des Vorstands und zuständig für den Unternehmensbereich
Finanzen (CFO) / Einkauf / Integrated Business Solutions

Weltweite Beschaffungsmärkte

Henkel hat derzeit Lieferanten und Vertragspartner aus rund 130 Ländern. Über 70 Prozent unserer Einkäufe tätigen wir in Mitgliedsstaaten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Wir erschließen jedoch auch verstärkt Beschaffungsmärkte außerhalb der OECD-Mitgliedsstaaten. Unsere hohen Anforderungen gegenüber Lieferanten sind dabei weltweit einheitlich. Wir bewerten unsere Lieferanten in einem ganzheitlichen Prozess, der neben wirtschaftlichen und operativen Kennzahlen auch die Ergebnisse und Risiken im Bereich Nachhaltigkeit umfasst.

Verbindlicher Lieferanten-Kodex

Der industrieübergreifende Verhaltenskodex des deutschen Bundesverbands Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) ist für alle Lieferanten von Henkel weltweit verbindlich. Henkel hat sich bereits 2009 dem BME angeschlossen, da dessen Kodex auf den zehn Prinzipien des Global Compact der Vereinten Nationen basiert und somit eine internationale Anwendung ermöglicht. Der BME-Kodex dient als Grundlage der vertraglichen Beziehung mit unseren strategischen Lieferanten. Das heißt, diese haben entweder den branchenübergreifenden Kodex des BME – und damit die Prinzipien des Global Compact – anerkannt oder einen eigenen, vergleichbaren Verhaltenskodex vorgewiesen. Um unseren Lieferanten die Beantwortung zu erleichtern, haben wir 2012 in Zusammenarbeit mit dem BME unseren Verhaltenskodex und alle entsprechenden Fragebögen in zehn Sprachen übersetzt.

Standards setzen – Synergien nutzen

Seit 2011 ist Henkel Mitglied bei „AIM-PROGRESS“, einem Forum von Unternehmen der Konsumgüterindustrie. Ziel ist es, eine verantwortungsvolle Beschaffung und nachhaltige Produktionssysteme zu fördern. Ein zentraler Punkt von AIM-PROGRESS ist die Bereitstellung einer Diskussionsplattform, um Ansichten und Erfahrungen bezüglich einer nachhaltigen Lieferkette auszutauschen. Außerdem sollen die effektive Zusammenarbeit und potenzielle Zusammenschlüsse mit anderen globalen Initiativen mit ähnlichen Zielen oder Interessen unterstützt werden. Dabei will das Forum die Nutzung von allgemeinen Bewertungsmethoden für die Ermittlung von Nachhaltigkeitsleistungen entlang der Wertschöpfungskette entwickeln und fördern. Bei den Mitgliedsunternehmen wird eine deutliche Effizienzsteigerung erreicht, indem nicht wettbewerbsrelevante Informationen gesammelt, ausgewertet und geteilt werden. Durch eine gegenseitige Anerkennung sollen vor allem Auditergebnisse geteilt werden.

„Responsible Supply Chain Process“

„Responsible Supply Chain Process“

Im Rahmen unserer Nachhaltigkeitsstrategie streben wir an, mit weniger Ressourcen mehr zu erreichen. Dazu haben wir einen überarbeiteten, fünfstufigen „Responsible Supply ChainSupply Chain
Englisch für: Beschaffungs- oder Lieferkette. Sie umfasst Einkauf, Produktion, Lagerung, Transport, Kundenservice, Bedarfsplanung, Bereitstellungsplanung und Supply Chain Management.
Process“ eingeführt. Im Fokus stehen zwei wesentliche Herausforderungen. Zum einen sind unsere definierten Nachhaltigkeitsstandards von allen Lieferanten einzuhalten. Zum anderen wollen wir durch gezielte Zusammenarbeit mit unseren strategischen Lieferanten einen Beitrag zur kontinuierlichen Verbesserung der Nachhaltigkeit in der Wertschöpfungskette leisten – zum Beispiel durch Wissenstransfer und Fortbildung in Bezug auf Prozessoptimierung, Ressourceneffizienz sowie Umwelt- und Sozialstandards. Diesen Prozess führen wir sowohl zu Beginn einer Zusammenarbeit als auch als wiederkehrende Überprüfung unserer bestehenden Lieferanten durch.

Schritt 1: Risikobewertung

Henkel hat ein Frühwarnsystem für Nachhaltigkeitsrisiken auf den globalen Beschaffungsmärkten. Zunächst schätzen wir das Risikopotenzial eines Marktes beziehungsweise einer Region ein. Hierbei legen wir den Fokus auf von internationalen Fachinstituten festgelegte Risikoländer. Die Bewertung umfasst die Kriterien „Menschenrechte“, „Korruption“ und „gesetzliches Umfeld“.

Hinzu kommt die Bewertung einer zweiten Dimension, der Risikowertschöpfungsketten. Dies sind für uns Industrien und Branchen, die potenziell ein spezifisches Risiko für unser Unternehmen darstellen. Henkel definiert so Länder, Wertschöpfungsketten und somit Beschaffungsmärkte von besonderer Brisanz.

Schritt 2: Assessment

Wir nutzen die Selbstbewertung unserer Lieferanten auf Basis von Fragebögen und lassen außerdem eine Bewertung von unabhängigen Experten durchführen. Beide umfassen Anforderungen in den Bereichen Sicherheit, Gesundheit, Umwelt, Qualität, Menschenrechte, Mitarbeiterstandards und Anti-Korruption. 2013 haben wir rund 600 Bewertungen durchgeführt.

Schritt 3: Analyse

Auf Basis dieser Risikobewertungen wird eine Einstufung der Lieferanten nach dem Ampelsystem vorgenommen. Bei „Rot“ erfolgt in jedem Fall ein Audit. Bei „Orange“ wird der Verbesserungsbedarf identifiziert und gegebenenfalls ein Audit durchgeführt.

Schritt 4: Audit

Henkel arbeitet mit unabhängigen Prüfgesellschaften zusammen, um die Einhaltung der definierten Standards in Audits zu überprüfen. Unsere Audits umfassen Vor-Ort-Prüfungen, zum Beispiel in Produktionsstätten, und Gespräche mit lokalen Mitarbeitern.

Im Nachgang zum Audit stellen wir sicher, dass unsere Lieferanten die festgelegten Pläne mit korrigierenden Maßnahmen umsetzen. Bei anhaltenden schwerwiegenden Verstößen wird das Lieferantenverhältnis aufgehoben. Im Bereich der Auditierungen engagieren wir uns auch in branchenübergreifenden Initiativen, um Transparenz und Effizienz von Lieferanten-Audits zu verbessern und unternehmensübergreifende Standards mitzugestalten. Im Jahr 2013 haben wir insgesamt rund 200 Audits durchgeführt.

Schritt 5: Entwicklung

Im Rahmen unseres Lieferantenmanagements arbeiten wir gezielt mit unseren Lieferanten an der Verbesserung der Nachhaltigkeitsleistung. Dabei versuchen wir, in der gesamten Wertschöpfungskette positive Veränderungen anzustoßen – beispielsweise durch Schulungen und gemeinsame Projekte hinsichtlich Prozessoptimierung, Ressourceneffizienz oder Umwelt- und Sozialstandards.

Insgesamt erfüllten im Jahr 2013 alle der bewerteten strategischen Lieferanten und Vertragspartner unsere Ansprüche.

Frühwarnsystem für Risikomärkte

Ein Beispiel für einen Risikomarkt ist die Beschaffung der Rohstoffe für Lötpasten und andere Lötmaterialien für die Elektronikindustrie. Sie enthalten Metalle zur Erzeugung ihrer elektrischen Leitfähigkeit – hauptsächlich Silber, Kupfer und Zinn. In einigen Ländern wird der Abbau von Kassiterit, dem wesentlichen Ausgangsmineral für die Gewinnung von Zinn, mit militärischen Konflikten und Menschenrechtsverletzungen in Verbindung gebracht. In den letzten Jahren haben wir unsere direkten Lieferanten für Metalle immer wieder überprüft und aufgefordert, mit entsprechender Dokumentation nachzuweisen, dass sie keine Metalle aus kritischen Regionen beziehen oder verarbeiten.

Gemeinsam mit externen Partnern haben wir darüber hinaus seit 2012 weitere Frühwarnsysteme erarbeitet, die Risikoprofile bereits in der Assessmentphase identifizieren. So haben wir rund 100 Beschaffungsmärkte und alle Risikoländer abgedeckt. In den USA und anderen Ländern arbeiten wir eng mit den Verbänden der Elektronikindustrie zusammen, um einen offiziellen Auditprozess für Metalllieferanten zu definieren. Ein weiteres Beispiel ist die Beschaffung von Werbeartikeln, die häufig von Drittanbietern in Niedriglohnländern gefertigt werden. Um auch hier die Einhaltung unserer Nachhaltigkeitsstandards sicherzustellen, analysieren wir bereits vor der Auftragsvergabe die Profile unserer Lieferanten in diesem Bereich.

„Together for Sustainability“

Im Jahr 2012 hat Henkel gemeinsam mit fünf weiteren Unternehmen der chemischen Industrie die Initiative „Together for Sustainability – The Chemical Initiative for Sustainable Supply Chains“ (TfS) ins Leben gerufen. Sie basiert auf den Prinzipien des Global Compact der Vereinten Nationen und der Responsible Care-Initiative des Internationalen Chemieverbands (ICCA). Die Initiative verfolgt das Ziel, das immer komplexer werdende Lieferantenmanagement zu harmonisieren und den gemeinsamen Dialog mit weltweiten Vertragspartnern zu optimieren. Dabei sollen vor allem Synergien geschaffen werden, um Ressourcen effizienter zu nutzen und bürokratische Hürden zu verringern – sowohl bei den Mitgliedsunternehmen als auch bei den gemeinsamen Lieferanten. Kern der Initiative ist der Gedanke „Ein Audit für einen ist ein Audit für alle“: Lieferanten müssen zukünftig nur ein Assessment beziehungsweise ein Audit absolvieren. Diese werden von unabhängigen Experten durchgeführt. Über eine Plattform im Internet werden die Ergebnisse anschließend unter allen Mitgliedern der Initiative geteilt und anerkannt.

Im Jahr 2013 hat die Initiative eine zwölfmonatige Pilotphase mit Assessments und Auditierungen in den globalen Lieferketten der Mitgliedsunternehmen erfolgreich abgeschlossen. Während der Pilotphase haben die TfS-Mitglieder rund 2.000 Assessments und Audits durchgeführt. Etwa 30 Hauptkriterien für die TfS-Audits wurden festgelegt und rund 40 Auditoren qualifiziert. In einem nächsten Schritt sollen die Aktivitäten der TfS-Initiative auf weitere Beschaffungsmärkte ausgedehnt und neue Mitglieder gewonnen werden.

Gemeinsame Plattform für ein nachhaltiges und effizientes Lieferantenmanagement

Es liegt in der Verantwortung der TfS-Mitglieder, die Anforderungen an ihre Lieferanten mithilfe von Lieferanten-Kodizes und Risikoanalysen zu definieren. Im Rahmen der Initiative werden daraufhin Assessments und Audits von unabhängigen Experten durchgeführt. Bewertet werden die Leistungen in den Bereichen Management, Umwelt, Gesundheit und Sicherheit, Arbeits- und Menschenrechte sowie Themen der ethischen Unternehmensführung. Die anschließend eingeleiteten Maßnahmen werden durch erneute Assessments oder Audits überprüft. Die Nachkontrolle und das weitere Lieferantenmanagement liegen dann wiederum bei den einzelnen Mitgliedsunternehmen.